Sammy Blum
Veröffentlicht am 16. April 2026
Im Sommer auf Rügen gibt es ein klares Alleinstellungsmerkmal: Theater, das unterhält und gleichzeitig Haltung zeigt. „Bühne mit Haltung“ ist dabei kein Schlagwort, sondern die Grundlage der Arbeit von SAM Entertainment – und der Grund, warum das Publikum aus dem gesamten deutschsprachigen Raum diese Produktionen so schätzt.
Viele der Menschen, die in den Sommermonaten auf die Insel kommen, suchen bewusst nach einem kulturellen Angebot, das mehr ist als ein netter Abend. Sie wollen unterhalten werden – aber nicht beliebig. Sie wollen lachen – aber nicht abschalten. Sie wollen etwas erleben, das zugänglich ist und gleichzeitig Raum für Gedanken lässt. Genau hier setzt die Arbeit im Theater Putbus an.
Noch ist es kühl auf der Insel, gerade einmal 11 Grad. Und doch liegt bereits dieser Moment des Übergangs in der Luft, der den Frühling ankündigt. Draußen wirkt vieles noch zurückhaltend, fast tastend – während im Theater bereits mit einer Klarheit gearbeitet wird, als wäre die Saison längst im Gange.
Diese Spannung zwischen Aufbruch und Unfertigkeit prägt auch die Proben.
Auf der Bühne entsteht „Zu guter Letzt nicht zu guter Letzt“. Kein fertiges Werk, sondern ein Prozess. Szenen werden ausprobiert, verworfen, neu gedacht. Texte bleiben beweglich, Musik entwickelt sich im Raum.
Man hat nicht den Eindruck, dass hier etwas einstudiert wird. Eher, dass etwas entsteht.
Ein Satz wird gesprochen, stehen gelassen, verändert. Eine Szene beginnt, bricht ab, setzt neu an. Es ist eine konzentrierte, ruhige Form der Arbeit, die nicht darauf abzielt, schnell voranzukommen, sondern richtig.
Im Zentrum dieses Prozesses steht Marianne Blum. Als Autorin, Sängerin und Darstellerin prägt sie die Arbeit auf eine Weise, die sich nicht in Rollen aufteilen lässt. Schreiben und Proben sind keine getrennten Schritte. Der Text bleibt offen, reagiert auf das, was auf der Bühne geschieht, verändert sich im Spiel.
Das gibt der Arbeit eine besondere Qualität. Nichts ist festgelegt, nur weil es einmal gedacht wurde. Gleichzeitig entsteht eine Präzision, die nicht konstruiert wirkt, sondern aus dem Prozess heraus wächst.
Gemeinsam mit Marijn Seiffert und Gilbert Millich entwickelt sich das Stück im Miteinander. Bewegungen, Timing, Übergänge – vieles entsteht erst im Zusammenspiel.
Begleitet wird dieser Prozess von Peter Gestwa, der als Regisseur die Entwicklung verdichtet und Entscheidungen einfordert, ohne den Prozess zu schließen.
Man kann beobachten, wie aus einzelnen Momenten langsam eine Form wird.
Im Sommer verändert sich die Perspektive. Rügen wird zu einem Treffpunkt für Menschen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Viele bringen Erfahrung mit, Erwartungen – und die Bereitschaft, sich auf einen Abend einzulassen, der mehr ist als reine Unterhaltung.
In Gesprächen nach den Vorstellungen zeigt sich immer wieder, wie sehr genau das wahrgenommen wird: dass hier ein Theaterabend entsteht, der unterhält – und gleichzeitig etwas mitgibt, das über den Moment hinausreicht.
Ein Angebot, das zugänglich bleibt, ohne beliebig zu werden.
In einer Zeit, in der diese Ideologie, die eine Volksgemeinschaft über Blut und Boden konstruiert, wiedererstarkt, in der sich Rechtsextreme hinter einer bürgerlichen Maske verstecken und sich in unsere Parlamente wählen lassen, ist es wichtig, den Kampf des kleinen Tagebuchs gegen den großen Diktator aufzuzeigen, um so einmal mehr ein Gespür und Gehör für unsere Geschichte zu entwickeln. Denn Geschichte besteht immer aus Geschichten. Und Geschichten bestehen aus Schicksalen.
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Urkomische Dialoge, bei denen die Fetzen fliegen, temporeiche Szenenwechsel, schnoddriger Mutterwitz, bissiges Kabarett und ein großer musikalischer Spaß: Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Claire Waldoff, Billy Wilder – all diese großen Humoristen haben unverkennbar bei diesem Stück Pate gestanden. Sie hätten ihren Spaß an diesem temporeiche Theatervergnügen, das die 20er Jahre feiert und trotzdem brandaktuell ist.
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